Ghost WordPress Self-Hosting Open Source

Warum ich meinen Blog nicht auf WordPress hoste

3 min read Isabelle groschke
Warum ich meinen Blog nicht auf WordPress hoste

WordPress läuft auf 43 Prozent aller Websites weltweit. Das klingt nach einem guten Argument. Für mich war es das Argument, es nicht zu nehmen. Nicht weil ich Mehrheiten prinzipiell misstraue — sondern weil „alle machen das so" noch nie eine Begründung war, die ich beim Einrichten eines Servers akzeptiert hätte.

Das Problem mit WordPress ist nicht WordPress

WordPress ist ein gutes Stück Software. Es ist flexibel, es hat ein riesiges Ökosystem, und man kann damit wirklich alles bauen — Blogs, Shops, Portale, was auch immer. Genau das ist das Problem.

Wenn alles möglich ist, wird alles erwartet

Ein frisches WordPress ist überschaubar. Aber dann kommen die Plugins. Für SEO. Für Sicherheit. Für Caching. Für Kontaktformulare. Für Cookie-Banner. Irgendwann läuft da ein Dutzend Plugins, von denen die Hälfte seit zwei Jahren nicht mehr aktualisiert wurde — und du weißt es nicht, weil du nicht jeden Tag ins Backend schaust.

Ich hatte auf einem meiner Server eine WordPress-Installation die ich nicht mehr aktiv genutzt hatte. Als ich irgendwann nachgeschaut habe, fand ich im Webroot einen node_modules-Ordner der nicht von mir stammte und root gehörte. WordPress selbst war nicht schuld. Aber die Angriffsfläche war groß genug dass jemand sie genutzt hat.

Updates als Vollzeitjob

WordPress-Core, Themes, Plugins — alles will aktualisiert werden, nicht alle Updates vertragen sich miteinander, und ein Produktiv-Blog bricht nicht gern in der Nacht zusammen. Wer das ordentlich machen will, braucht entweder Zeit oder ein Tool das die Arbeit übernimmt. Beides kostet etwas.

Was ich stattdessen nutze — und warum

Mein Blog läuft auf Ghost. Ghost ist ein Node.js-basiertes CMS das von Anfang an für einen einzigen Zweck gebaut wurde: publizieren. Kein Plugin-Dschungel, kein Page Builder, kein WooCommerce-Kompatibilitäts-Overhead. Ein Redakteur würde das Editor-Interface in fünf Minuten verstehen.

Der Stack im Detail

Der Server ist ein VPS bei einem Schweizer Anbieter. Als Reverse Proxy läuft Caddy — der holt TLS-Zertifikate automatisch über Let's Encrypt, ohne dass ich einen Certbot-Container, einen Cronjob oder eine manuelle Zertifikatsverlängerung verwalten muss. Ghost läuft als Docker-Container und ist nach außen nur über Caddy erreichbar.

# Caddyfile — so einfach ist das
linse.wallach9.de {
    reverse_proxy localhost:2368
}

Das war es. Caddy kümmert sich um den Rest.

Was das in der Praxis bedeutet

Keine Plugin-Updates die ich überwachen muss. Kein Theme-Marktplatz der mich zu Käufen animiert. Keine Datenbank die ich separat sichern und optimieren muss — Ghost nutzt SQLite im Standardbetrieb, eine einzelne Datei die mit jedem Backup-Tool der Welt gesichert werden kann.

Die Angriffsfläche ist klein. Ghost hat keine öffentliche Plugin-API die Drittanbieter-Code in meine Instanz lädt. Was läuft, habe ich bewusst installiert.

Der ehrliche Vergleich

Ghost ist nicht für jeden das Richtige. Wer einen Webshop will, wer komplexe Mehrsprachigkeit braucht, wer ein Team von zwanzig Leuten mit unterschiedlichen Rollen koordiniert — der ist bei WordPress oder einem anderen System besser aufgehoben.

Und Ghost ist kein One-Click-Install. Man braucht einen Server, ein bisschen Terminal-Erfahrung und die Bereitschaft, gelegentlich in Logs zu schauen. Das ist kein K.O.-Kriterium — es ist eine ehrliche Aussage über den Aufwand.

Was mich wirklich überzeugt hat

Ghost wird von einer Non-Profit-Organisation entwickelt. Kein Investor der in drei Jahren ein Exit braucht, keine Werbeplattform die meine Leserdaten vermarktet. Das Geschäftsmodell ist Ghost Pro — eine gehostete Version für die man zahlt. Wer selbst hostet, zahlt nichts und bekommt trotzdem alle Updates.

Das ist das Open-Source-Modell wie ich es mir vorstelle: transparent, nachvollziehbar, ohne versteckte Kosten.

Warum ich das hier schreibe

Nicht um WordPress schlecht zu machen. Sondern weil ich mir diese Frage selbst lange nicht gestellt hatte — und die Antwort mich dann doch überrascht hat.

Mein Blog ist bewusst gebaut: eigener Server, eigene Daten, Software die ich verstehe und kontrolliere. Das dauert beim ersten Mal länger als ein Hosting-Paket mit One-Click-WordPress. Danach ist es ruhiger — und ich weiß genau was auf meinem Server läuft.

Wer selbst über diesen Schritt nachdenkt und nicht sicher ist wo anfangen, kann sich bei LinSE zu einem Erstgespräch melden — gemeinsam finden wir die Lösung die passt.