Linux & Open Source

Linux statt Windows: Eine ehrliche Rechnung für Selbstständige

3 min read Isabelle groschke
Linux statt Windows: Eine ehrliche Rechnung für Selbstständige

Du zahlst jeden Monat für Software die du nicht vollständig verstehst, auf Servern die dir nicht gehören, nach Konditionen die sich ändern können ohne dass du gefragt wirst. Das ist kein Vorwurf — das ist der Normalzustand für die meisten Selbstständigen und kleinen Betriebe. Linux ist eine der wenigen konkreten Antworten darauf.

Was du monatlich für Software ausgibst, ohne es zu hinterfragen

Microsoft 365 Business Basic kostet pro Nutzer und Monat sechs Euro. Klingt wenig. Für fünf Leute im Betrieb sind das 360 Euro im Jahr — ohne die Stunden die verloren gehen wenn Outlook streikt, SharePoint-Berechtigungen sich selbst aufheben oder ein Update Einstellungen zurücksetzt die niemand angefasst hat.

Open Source ändert die Verhandlungsposition

Das eigentliche Problem ist nicht der Preis. Es ist die Asymmetrie: Microsoft entscheidet wann ein Feature kostenpflichtig wird, du verhandelst von einer Position ohne echte Alternative. Dasselbe gilt für Adobe, für Google und für jeden anderen Anbieter dessen Software fest in deinen Arbeitsablauf eingebaut ist.

Wer Open-Source-Software einsetzt, zahlt optional für Support, Hosting oder Training — nicht für den Zugang zur Funktionalität. Du kannst wechseln. Du kannst selbst hosten. Du kannst den Code prüfen lassen. Das sind keine theoretischen Optionen, sondern konkrete Hebel die du in der Hand hast.

Was Linux im Büroalltag tatsächlich kann

Die ehrliche Antwort: mehr als vor fünf Jahren, weniger als Windows in manchen Spezialfällen. Wer diese Einschränkung ignoriert, macht sich das Leben schwerer als nötig.

Webbrowser und webbasierte Tools: kein Unterschied

Firefox, Chromium, Chrome — alle laufen auf Linux. Wer hauptsächlich im Browser arbeitet — und das tun mehr Leute als man denkt — merkt nach dem Umstieg nichts. Google Workspace, Lexoffice, Datev-Webzugang, Sevdesk: das sind Webapplikationen, die brauchen keinen bestimmten Unterbau.

Lokale Office-Software: gut genug für den Alltag

LibreOffice ist kostenlos, läuft auf Linux, Windows und Mac, und öffnet .docx, .xlsx und .pptx in fast allen Fällen problemlos. Angebote, Rechnungen, einfache Berichte, Präsentationen — kein Problem. Wo es eng wird: sehr komplexe Word-Dokumente mit verschachtelten Feldfunktionen oder Excel-Tabellen mit ausgefeilten VBA-Makros. Das sind Randfälle, aber sie existieren.

Wer eine kollaborative Office-Lösung braucht, kann OnlyOffice selbst hosten. Die Formatkompatibilität ist dort noch enger an Microsoft-Standards angelehnt, weil OnlyOffice die nativen Formate als Grundlage nutzt statt sie zu emulieren. Beide Tools gibt es auch für Windows und Mac — falls ein gemischter Betrieb nötig ist, ist das keine Hürde.

Den Umstieg praktisch angehen

Vor der Entscheidung steht eine kurze Bestandsaufnahme: Welche Software wird täglich genutzt? Gibt es eine Linux-Version, eine Webalternative, oder ist man auf Windows angewiesen? Gibt es Peripherie mit proprietären Treibern — bestimmte Scanner, USB-Geräte, Drucker mit proprietärer Software? Das ist kein Showstopper, aber es ist besser es vorher zu wissen als danach.

Welche Distribution passt wozu

Linux Mint ist die naheliegendste Wahl für Leute die wollen, dass es einfach funktioniert. Die Oberfläche ist vertraut, der Hardware-Support ist sehr gut, die Lernkurve ist flach. Ubuntu LTS hat den Vorteil dass Canonical kommerziellen Support anbietet — kein Zwang, aber eine Option die für Betriebe mit Compliance-Anforderungen relevant sein kann. Fedora ist für diejenigen interessant die etwas aktuellere Software-Versionen wollen und gelegentlich ins Terminal schauen können.

Alle drei gibt es als ISO zum kostenlosen Download. Installation vom USB-Stick, fertig in zwanzig Minuten — und zwar auf dem Rechner der heute schon im Betrieb läuft.

Alte Hardware, neues Potenzial

Ein Aspekt der selten im Vordergrund steht, aber praktisch relevant ist: Linux läuft auf älterer Hardware deutlich besser als Windows. Ein Laptop der mit Windows 10 träge geworden ist und für Windows 11 offiziell nicht mehr qualifiziert, kann mit Linux Mint noch Jahre produktiv genutzt werden.

Was das konkret bedeutet

Vier Gigabyte RAM und eine SSD reichen für den täglichen Bürobetrieb mit Linux Mint — Browser, Office, E-Mail. Das ist Hardware die seit 2015 auf dem Markt ist. Für Betriebe heißt das: Abschreibungszyklen verlängern sich, Geräte werden weiter genutzt anstatt ausgemustert zu werden.

Nach der Erstinstallation lässt sich die Grundausstattung mit einem einzigen Befehl einrichten:

sudo apt install -y libreoffice thunderbird keepassxc nextcloud-desktop vlc gimp

Kein Lizenzschlüssel, kein Aktivierungsserver, kein Ablaufdatum.

Fazit

Linux ist kein Hobbyprojekt mehr — es ist eine Plattform die im Büroalltag funktioniert, vorausgesetzt man weiß vorher was man erwartet. Der Umstieg lohnt sich nicht für jeden und nicht in jeder Situation, aber er lohnt sich öfter als die meisten annehmen. Wer klären will ob das für den eigenen Betrieb gilt, fängt nicht mit einer Systemumstellung an — sondern mit einem Nachmittag auf einem Testlaptop; LinSE begleitet Selbstständige und kleine Betriebe in der Region Rottenburg bei genau dieser Einschätzung.